Neurologische Grundlagen

Neurowissenschaftliche Grundlagen des PCM – Personal Change Managements

Warum verursachen Veränderungen Unsicherheit und Angst?

Unser Gehirn ist nicht wie ein Computer ein starres System, sondern ein veränderbares, ein plastisches Organ. Die Prägungen und Erfahrungen, die wir im Lauf unseres Lebens machen, bestimmen unsere Gewohnheiten und Denkmuster. Die neuronalen Abläufe in unserem Gehirn zu diesen für uns gewohnten Verhaltens- und Denkweisen gleichen Datenautobahnen, auf denen mit wenig Energie flüssige und schnelle Reaktionen auf Außenwahrnehmungen erfolgen. Eine Veränderung unserer Denk- und Handlungsmuster jedoch erfordert neue neuronale Verbindungen, die erst wie Trampelpfade durch unbekanntes Terrain mühsam erschlossen werden müssen. Daher lösen Veränderung automatisch Verunsicherung aus: Was kommt auf mich zu? Verbergen sich unbekannte Gefahren? Werde ich dem gewachsen sein?

Die Ängste, die bei Veränderung hervorgerufen werden, sind dabei so individuell wie die Ziele, die wir erreichen wollen. Denn jede neue Situation, die uns begegnet, wird von unserem Gehirn automatisch mit bekannten, alten Erfahrungen verglichen, die in einer der ältesten Hirnregionen, dem limbischen System, unserem Emotionszentrum, abgespeichert sind. Das ist zunächst praktisch, da das Gehirn auf diese Weise prüft, wie mit möglichst wenig Energie möglichst effizient reagiert werden kann. Signalisiert eine Wahrnehmung „Achtung, Gefahr!“, dann feuert die Amygdala, das Angstzentrum des limbischen Systems, Botenstoffe aus, die eine archaische Reaktion in Gang setzen: Kämpfe oder fliehe! Für einen Urzeitmenschen hatte das Sinn, denn so konnte er bei Angriff eines Säbelzahntigers ohne große Überlegung angreifen oder sich in Sicherheit bringen.

Aber passen diese archaischen Reaktionsmuster auf unsere heutigen Ziele, die ein komplexes und strategisches Denken und Handeln erfordern? Wenn z.B. eine Führungskraft in Wut ausbricht („Kampf“) oder ein Mitarbeiter den Kopf in den Sand steckt („Flucht“), statt mit klarem Verstand und offenem Herzen zu handeln, dann ist das ein Zeichen von Überforderung: Nicht der Präfrontale Cortex, der moderne Teil unseres Gehirns, unser strategisches Planungszentrum, das wir für das Erreichen unserer Ziele dringend brauchen, sondern die archaische Macht der Amygdala hat die Kontrolle übernommen.